Linz, 26. September 2016

Experten aus Zürich, Berlin und Wien bei „Wohnen im Herbst II"

Moderator Czaja mit den Referenten Kaestle und Böttger, Sektionsvorsitzendem Plöderl und den Referenten Kaden, Zoderer und Brakebusch © Foto: Arch+Ing
Referenten Bauer, Böttger und Zoderer bei der ersten Diskussionsrunde © Foto: Arch+Ing
Sektionsvorsitzender Plöderl bei der Übergabe eines süßen Dankeschöns in Form einer Linzer Torte an Referentin Kaestle © Foto: Arch+Ing
Symposium „Wohnen im Herbst II — Wege aus der Wohnkrise“  

 

Pünktlich zu Herbstbeginn lud die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Oberösterreich und Salzburg am 22. September 2016 zum Symposium „Wohnen im Herbst II“ ins afo architekturforum oberösterreich. Unter dem Motto „Wege aus der Wohnkrise“ diskutierten Experten aus Zürich, Berlin und Wien anhand ganzheitlicher Ansätze die vielfältigen Aspekte des geförderten Wohnbaus. Die zahlreichen Besucher zeigten sich von den innovativen Ansätzen und Impulsen begeistert. 

„Themen wie Globalisierung, Migration, ökonomische Transformation, Kommerzialisierung und Eventisierung überfordern nicht nur die Wohnungswirtschaft, sie zerbrechen auch das gesellschaftspolitische Gleichgewicht. Dies fordert uns Architekten qualitätvolle Beiträge zu liefern, denn wir bauen heute den Bestand von morgen“, so Sektionsvorsitzender Heinz Plöderl in seinen Begrüßungsworten. Architekt Matthias Böttger (raumtaktik — office from a better future, Berlin) stellte in seinem Referat einen Denkanstoß in Form von 10 Thesen vor, die neue Standards in der Planung von Wohnraum schaffen können. Architekt Peter Zoderer (feld72 architekten zt gmbh, Wien) sprach in seinem Vortrag über die „Wohnanlage Eppan“, einem Genossenschaftsbau mit 23 Wohnungen in Südtirol, in dem sich die Bewohner so wohl fühlen, „dass sie gar nicht mehr auf Urlaub fahren möchten“, so Zoderer. Peter Bauer, Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen (Werkraum Ingenieure ZT GmbH, Wien), brachte das auf den ersten Blick vielleicht trocken anmutende Thema Normen, den Gästen äußerst humorvoll und kurzweilig näher. Trotz der Widersprüchlichkeit, in die sich die Vielzahl an Normen oft verstrickt, betonte er: „Ohne Normen findet Bauen nicht statt und man darf sie nicht verteufeln.“

Architektin Anne Kaestle (Duplex Architekten AG, Zürich) sprach in ihrem Referat über das innovative Wohnprojekt „Mehr als Wohnen“ am Hunziker-Areal in Zürich, welches den Prinzipien der künftigen 2.000-Watt-Gesellschaft folgt. Zwischen den einzelnen Bauten bestehen große Gemeinschaftsflächen die rege genutzt werden und nach Fertigstellung des gesamten Areals in einem 15-minütigen Film verarbeitet wurden. Darüber hinaus zeigt der Film auch, wie und von wem die einzelnen Wohnungen genutzt werden. Aufschlussreiche Details über Freiraumgestaltung und Landschaftskonzepte stellte Landschaftsarchitektin Maren Brakebusch (Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich) dar und hob mit einem Augenzwinkern hervor: „In der Schweiz ist Landschaftsarchitektur einfach, denn es ist hier überall schön.“ Wie der nachwachsende Baustoff Holz klug in Wohn- und Gewerbebauten eingesetzt werden kann, um damit zumindest im Baugewerbe den Anteil der grauen Energie zu senken, zeigte Architekt Tom Kaden (Kaden + Lager GmbH, Berlin).

In der Diskussionsrunde stellte Moderator Wojciech Czaja unter anderem die Frage, woran sich Architekten beim Bauen halten: An Normen, an die Bauordnung oder andere Richtlinien? „Das ist ganz unterschiedlich, der Spaß soll aber auf keinen Fall verloren gehen“, so Zoderer. Böttger betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Verschlankung von Normen einen größeren Spielraum in der Planung mit sich bringen würde und untermauerte damit die Ansicht von Bauer. Auf die Frage, wie sie sich die Zukunft ihrer Branche vorstellt, antwortete Kaestle: „Ich wünsche mir vor allem mehr Mut von der Investorenseite. Jedes Vorhaben sollte zu 10 Prozent aus einem Experiment bestehen.“


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Rückfragen 
Mag. Karoline Schicketmüller
Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten
für Oberösterreich und Salzburg 
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