Salzburg, 19. Oktober 2018

Ausstellung Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz - Herausragende Beispiele aus Deutschland | Österreich | Schweiz

Vortrag des Architekten und Preisträgers Georg Driendl bei der Ausstellungseröffnung
© ZT:OÖundSBG
Ausstellung „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ in Salzburg
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Architekt und Preisträger Georg Driendl, Vorsitzender der Architekten der ZT-Kammer Architekt Heinz Plöderl, Salzburger Landeskonservatorin DI Eva Hody und der Ausstellungskurator von der Wüstenrot Stiftung Dr. Stefan Krämer.
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Baudenkmäler sind sichtbare, identitätsstiftende Teile unserer gebauten Umwelt und ein wesentlicher Bestandteil unseres kulturellen Erbes. Der mit 15.000 Euro dotierte Gestaltungspreis „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ der Wüstenrot Stiftung spürt alle zwei Jahre herausragende Baudenkmäler auf und macht sie für die Öffentlichkeit sichtbar. Unter 748 Einsendungen hat eine internationale Jury insgesamt zehn Projekte prämiert. Die gleichnamige Wanderausstellung ist zum ersten Mal in Salzburg zu sehen. Sie zeigt die ausgezeichneten Projekte zusammen mit weiteren bemerkenswerten Beispielen.

Statement Dr. Stefan Krämer, Kurator der Ausstellung, Wüstenrot Stiftung: Für die Wüstenrot Stiftung ist die Erhaltung denkmalwürdiger Bausubstanz ein zentrales Anliegen in ihrer gemeinnützigen Tätigkeit. Denkmäler gehören zu unserem kulturellen Erbe und verdienen größte Wertschätzung. Deshalb müssen hohe Maßstäbe dafür gelten, ihr Potenzial für kulturelle Identität und attraktive Nutzung für die Zukunft fortzuschreiben und gegebenenfalls zu transformieren. Zur Ergänzung ihres eigenen Denkmalprogramms hat die Wüstenrot Stiftung 2017 einen Gestaltungspreis Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz für Architekten und Bauherren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeschrieben. Aus 748 Einsendungen hat das international besetzte Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Quintus Miller die besten Beispiele ausgewählt. Diese Beispiele sind in einer Ausstellung zusammengefasst, die nun in Salzburg zu sehen ist. Dazu gehört auch der Preisträger – Diener & Diener Architekten mit Martin Steinmann für das Stadtmuseum Aarau (Schweiz) – den die Jury nicht nur als vorbildhaften Umgang mit dem denkmalwürdigen Bestand, sondern auch als städtebaulich gelungene Stadtreparatur und Glücksfall für die Baukultur würdigt.

Statement Architekt Dipl. Ing. Heinz Plöderl, Vorsitzender der Architekten, Ziviltechnikerkammer OÖ/SBG: Unser wertvolles und unersetzliches bauliches Erbe zu pflegen, zu schützen und zu erhalten liegt im ureigensten öffentlichen Interesse. Architektonische und künstlerische Werte, Atmosphäre, Identität und das Authentische sind in unserer individuellen und kollektiven Erinnerung unentbehrlich und genießen deshalb unsere Wertschätzung und Zuneigung. Daher gilt es, diese wichtigen Zeugen in deren Vielfalt und Reichtum sowie Zeitschichten und Geschichten seiner Existenz zu schätzen und treuhänderisch für die folgenden Generationen in seiner Substanz möglichst ungeschmälert zu erhalten, maßgeschneidert baulich und dauerhaft schadenfrei zu reparieren und räumlich wie gestalterisch weiterzuentwickeln.
Die gebaute Umwelt lässt Rückschlüsse auf das Zusammenleben, die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen zu. Sie ist Teil der historischen Zusammenhänge und ein Baustein, nicht nur für die Erklärung, wie die Gesellschaft früher war, sondern auch dafür, wer wir heute sind - und wieso.
Dass wir Architekten, die für die Zukunft bauen, sich der Denkmalpflege verpflichtet fühlen, ist alles andere als ein Widerspruch. Zeitgenössisches Planen und Bauen basiert auf einer mehrtausendjährigen Geschichte, ohne deren Kenntnis sich heute zu Bauendes weder planen noch begründen ließe.
Die Ziviltechnikerkammer stellt sich mit dieser Ausstellung diesen Fragen, um das gebaute Erbe im Wissen um dessen Bedeutung mit Sachkunde, Sorgfalt und Respekt weiterzuentwickeln und im historischen Kontext Lebensräume für die Zukunft zu schaffen.

Statement DI Eva Hody, Jurymitglied, Landeskonservatorin Salzburg, Bundesdenkmalamt: Unser Umgehen mit denkmalwürdiger Bausubstanz war das Thema der Ausschreibung des jüngsten Gestaltungspreises der Wüstenrot Stiftung. Die Dokumentation und die laufende Wanderausstellung der preiswürdigen Projekte demonstriert zweierlei. Zum einen die große Vielfalt der Bauaufgaben, die sich in Dimension, Materialität oder Problemstellung radikal unterscheiden und zum zweiten die Kreativität der Architektinnen und Architekten, die für jedes Projekt Lösungen erarbeiteten, die den Bestand respektieren und doch dem Neuen und der zeitgenössischen Architektur eine Chance geben. Dies trifft den Kern aller denkmalpflegerischen Bemühungen. Es geht um die Dokumentation und die lebendige Bewahrung der Vielfalt unserer gebauten Umwelt. Dies setzt einen tief empfundenen Respekt vor der architektonischen Hinterlassenschaft voraus. Die Gebäude selbst bewahren die künstlerische Vision und das handwerkliche Können unserer Vorfahren als Zeugnisse der menschlichen Kreativität. Es geht aber auch darum, dem Neuen eine Chance zu geben, die lebendige Nutzung der Denkmäler durch ihre sensible Adaptierung an die Anforderungen der zeitgenössischen Wohn- und Arbeitswelten abzusichern. Die gezeigten Beispiele sind eine hervorragende Auswahl der inspirierenden Lösungsansätze, die von den Architektinnen und Architekten für diese Herausforderung gefunden wurden.



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Mag. Adriana Falger

Kammer der ZiviltechnikerInnen | ArchitektInnen und IngenieurInnen
für Oberösterreich und Salzburg 
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