Die Arbeitszeit

Arbeitszeit ist die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne Ruhepausen. Sie richtet sich grundsätzlich nach der einzelvertraglichen Regelung, wobei gesetzliche und kollektivvertragliche Beschränkungen zu beachten sind.

Generell unterscheidet man Normal-, Mehr- und Überstundenarbeit:

  • Der Umfang der Normalarbeit wird in der Regel durch Kollektivvertrag geregelt.
  • Mehrarbeit bezeichnet das Ausmaß zwischen gesetzlicher Normalarbeitszeit und kürzerer kollektivvertraglicher oder einzelvertraglicher Arbeitszeit – insbesondere bei Teilzeitarbeit.
  • Überstundenarbeit ist die über die gesetzliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitsleistung, für die ein Zuschlag gebührt. Für Überstunden gebührt ein Zuschlag von 50 % oder eine Abgeltung durch Zeitausgleich. Der Überstundenzuschlag ist bei der Bemessung des Zeitausgleiches zu berücksichtigen oder gesondert auszuzahlen. Mangels kollektivvertraglicher Regelung gilt – vorbehaltlich anders lautender Betriebsvereinbarungen – dass mangels abweichender (einzelvertraglicher) Vereinbarung die Abgeltung in Geld zu erfolgen hat.

Wöchentliche Normalarbeitszeit

Für Dienstnehmer die dem Kollektivvertrag für Angestellte bei Architekten und Ingenieurkonsulenten (KollVfAAI) unterliegen, beträgt die wöchentliche Normalarbeitszeit im Regelfall 40 Stunden und ist auf die Arbeitstage Montag bis Freitag aufzuteilen. Für Zeiten bezahlter Aus- und Fortbildung gilt auch der Samstag als Arbeitstag. Die Verteilung der Arbeitszeit im Zeitraum von Montag bis Freitag, der Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit sowie die Festsetzung der in die Arbeit nicht einzurechnenden Ruhepausen, sind nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen einvernehmlich vorzunehmen.

Unregelmäßige Verteilung der Normalarbeitszeit

Eine unregelmäßige Verteilung der Normalarbeitszeit kann schriftlich mit jedem Angestellten vereinbart werden, wobei diesfalls die wöchentliche Normalarbeitszeit 48 Stunden nicht über- und 32 Stunden nicht unterschreiten darf und die durchschnittliche Normalarbeitszeit nicht mehr als 40 Stunden/52 Wochen betragen darf. Einer derartigen Vereinbarung muss der Betriebsrat schriftlich zu ihrer Wirksamkeit zustimmen. Sie hat im Übrigen nähere Bestimmungen über die jeweilige Lage der Normalarbeitszeit sowie darüber zu enthalten, wie ein allfälliger Zeitausgleich in Anspruch genommen wird. Im Allgemeinen ist spätestens zwei Wochen vor der jeweiligen Arbeitswoche die konkrete Normalarbeitszeit entsprechend dem vereinbarten Rahmenplan festzulegen. Sind Normalarbeitszeit und Zeitausgleich nicht von vornherein für den gesamten Durchrechnungszeitraum vereinbart, darf das Zeitguthaben in der Regel 80 Stunden nicht überschreiten. Ein allenfalls am Ende des Durchrechnungszeitraums bestehendes Zeitguthaben ist grundsätzlich binnen einer Nachfrist von einem Monat auszugleichen.

Gesetzliche Höchstgrenzen der Arbeitszeit

Einschränkungen für die Festlegung der Normalarbeitszeit ergeben sich darüber hinaus auch aus den gesetzlich normierten Höchstgrenzen der Arbeitszeit. Demnach darf die Tagesarbeitszeit im Allgemeinen zehn Stunden und die Wochenarbeitszeit 50 Stunden (inklusive der Überstunden!) nicht überschreiten. Zu berücksichtigen ist des Weiteren, dass die tägliche Normalarbeitszeit grundsätzlich (Ausnahme: die oben geschilderte, schriftliche Vereinbarung einer unregelmäßigen Verteilung der Normalarbeitszeit) acht Stunden nicht übersteigen darf. Soweit es jedoch die Art des Betriebes erfordert, kann durch Betriebsvereinbarung eine andere ungleichmäßige Verteilung der Normalarbeitszeit innerhalb der Woche erfolgen, wobei die tägliche Normalarbeitszeit diesfalls neun Stunden nicht übersteigen darf. Begrenzt ist auch die Anzahl der zulässigen Überstunden. So dürfen grundsätzlich nur fünf Überstunden pro Woche geleistet werden. Zur Abdeckung von Arbeitsspitzen bestehen jedoch Erweiterungsmöglichkeiten durch Betriebsvereinbarungen.

Gleitzeitregelung

Eine Verlängerung der täglichen Normalarbeitszeit auf zehn Stunden ist möglich wenn durch Betriebsvereinbarung oder schriftliche Vereinbarung mit dem einzelnen Dienstnehmer eine Gleitzeitvereinbarung getroffen wurde. Gleitende Arbeitszeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer innerhalb eines vereinbarten zeitlichen Rahmens Beginn und Ende seiner täglichen Normalarbeitszeit selbst bestimmen kann. Die Gleitzeitregelung hat die Dauer der Gleitzeitperiode, den Gleitzeitrahmen, das Höchstmaß allfälliger Übertragungsmöglichkeiten von Zeitguthaben und Zeitschulden in die nächste Gleitzeitperiode sowie die Dauer und Lage der fiktiven Normalarbeitszeit zu enthalten. Ein Formular über eine mögliche Gleitzeitvereinbarung findet sich im Anhang A zum KollVfAAI.

Dekadenarbeit

Als weitere Sonderform der Arbeitszeit steht unter bestimmten Voraussetzungen die Dekadenarbeit zur Verfügung. Diese kann bei Großbaustellen mittels Betriebsvereinbarung oder als Zusatz zu Einzeldienstverträgen festgelegt werden, wenn dies der Arbeitsrhythmus des Baustellenbetriebes erfordert und die Leistungen von Ziviltechnikerbüros notwendigerweise vor Ort im selben Rhythmus zu erbringen sind. Als Regelfall der Dekadenarbeit gelten 10 aufeinander folgende Arbeitstage und vier arbeitsfreie Tage. Die wöchentliche Normalarbeitszeit kann mehr als 40 Stunden betragen, wenn innerhalb eines Durchrechnungszeitraums von zwei Wochen die wöchentliche Normalarbeitszeit (von 40 Stunden) nicht überschritten wird. Innerhalb eines vierwöchigen Durchrechnungszeitraumes hat der Dienstnehmer Anspruch auf eine durchschnittliche wöchentliche Ruhezeit von mindestens 36 Stunden. Während der Dauer der Dekadenarbeit muss eine mindestens 5%ige Überzahlung (bezogen auf das jeweilige kollektivvertragliche Mindestgehalt) gegeben sein.

 

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